Geschichte
Was unser altes Haus erlebt hat
Unser Haus im Wald liegt inmitten der Seelhorst in Hannover. Dieses Gebiet gehörte ursprünglich zu den Dörfern Döhren und Kirchrode und wurde 1902 nach Hannover eingemeindet. Bis dahin war der Bereich fast vollständig unbebaut und wurde geprägt von dem großen Waldgebiet der Seelhorst und den umliegenden Feldern und Wiesen.
1852 wurde unser Haus "mitten im Wald" zwischen großen Eichen, Buchen und Wildgehölzen als Jagdhaus der Familie Graevemeyer gebaut. Architekt war (vermutlich) der Stadtplaner Georg Ludwig Friedrich Laves, der Hannover als Hofbaumeister durch viele weitere klassizistische Bauten prägte. 1854 wurde das Jagdhaus mit einem Bierausschank für die in der Nähe stationierten Wachmannschaften ausgerüstet und entwickelte sich bis Ende des 19. Jahrhunderts zu einer kleinen Wald- und Ausflugsgaststätte. Während über die Zeit fünf weitere Nebengebäude errichtet wurden, existierte das Jagdhaus bis 2019 als Gaststätte.
Im Denkmalatlas Hannover wird das Haus als "schlichter eingeschossiger Putzbau mit ziegelgedecktem Walmdach" beschrieben. Besonders ins Auge fällt das große dreiachsige Zwerchhaus in der südwestlichen Dachfläche zur Straße hin. Es hat ein flaches Satteldach und zeigt im Giebel das von Graevemeyersche Familienwappen. Die Fassade des Hauses ist symmetrisch und mit Rundbogenfenstern gestaltet. Auch die Innengestaltung ist symmetrisch bis auf die seitlich angeordnete Treppe ins Dachgeschoss. Die Außenmauern des Hauses sind massiv gemauert, die Innenwände sind aus Fachwerk. Die Holzbalkendecke ist, wie für die Bauzeit üblich, mit einem Blindboden und Lehmschüttung ausgeführt.
Die vergangenen Jahre des alten Jagdhauses waren bewegt. Im Sommer 2012 wurden mehrere Nebengebäude durch einen Brand stark beschädigt. 2016 erteilte die Stadt eine Baugenehmigung für den Umbau und die Umnutzung der Nebengebäude zu Reihenhäusern, stoppte jedoch 2017 die Bauarbeiten, da die durchgeführten Arbeiten nicht der Genehmigung entsprachen. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Nebengebäude bereits abgerissen worden. Nachdem einem Verkauf des Anwesens 2019 plante der neue Eigentümer die Sanierung und Reaktivierung des Jagdhauses als Veranstaltungsgastronomie sowie auf dem großen, brachliegenden Grundstück den Bau einer modernen Eventlocation. Das Vorhaben scheiterte jedoch wegen Protesten von Anwohnern und Kleingärtnern der gegenüberliegenden Kolonie.
Heute ist das alte Jagdhaus immer noch ein Haus im Wald. Es ist umgeben von Bäumen, Kleingärten und dem Stadtteilfriedhof. Im Hintergrund hört man zu Vogelgesang das Rauschen des Schnellwegs, doch man sieht nur Bäume und Himmel. In Zukunft soll unser Haus als Wohnhaus dienen, als Liebhaberobjekt, zum Schutz der denkmalgeschützten Bausubstanz. Hoffentlich steht es noch viele Jahre.