Das Haus im Wald

Bau- und Gartentagebuch unserer denkmalgeschützten Villa

21. Januar 2026

Durch den Winter

Durch den Winter

Ein volles Baustellenwochenende liegt hinter uns. Mit vielen fleißigen Helfern haben wir im Erdgeschoss aufgeräumt und weiter entkernt und nebenbei 10 Kubikmeter Baumischabfall bewegt. Nun warten wir auf den Zimmerer, der die alte Balkendecke abstützen soll. Den Deckenbalken trauen wir statisch gerade nicht – als wir im Dezember im künftigen Hauswirtschaftsraum die abgehangene Rigips-Decke entfernten, kam direkt ein Teil des historischen Blindbodens mit Schüttung herunter. Der Balkenkopf, der seitdem sichtbar freiliegt, lässt nichts gutes ahnen. Und da es an anderen Holzteilen massive Schäden durch Feuchtigkeit und echten Hausschwamm gibt, gehen wir auf Nummer sicher. Anschließend können wir mit der Entkernung im Dachgeschoss beginnen.

Bis dahin steht in den nächsten zwei Wochen Gartenarbeit auf dem Programm. Die großen Haufen, die von der Brombeer-Rodung übrig sind, müssen gesiebt und entsorgt werden, damit wir anschließend mit einem Bagger anrücken und den Garten in seiner Grundstruktur anlegen können. Warum ich dabei meinen bereits fertigen Gartenplan nochmal komplett überarbeiten musste? Das erzähle ich euch nächstes Mal.

12. Dezember 2025

Staubige sonnige Tage

Staubige sonnige Tage

Bei schönstem Wetter haben wir uns ins Haus verkrochen und mit der Entkernung begonnen. Los ging's im künftigen Hauswirtschaftsraum – der Raum diente bisher als Küche für das frühere Restaurant. Daher waren alle Wände gefliest oder verputzt; nichts ist mehr original und die ganzen sichtbaren Oberflächen müssen runter.

Schnell haben wir ein Gefühl dafür bekommen, welche Flächen leicht zu entfernen sind und was aufwändiger ist. Da bisher noch kein Baustrom im Haus liegt und die frühere Elektroinstallation nicht mehr funktionstüchtig ist, muss alles mit Muskelkraft erfolgen. Schon etwas eklig: die alte Dunstabzugshaube, die total fettig und klebrig ist. Insgesamt klappt aber alles gut und der erste Container ist schnell gefüllt.

Nun machen wir nur etwas Kleinkram, schlagen Putz an einzelnen Wänden händisch ab, um die darunterliegende Substanz vorsichtig freizulegen, und warten die Feiertage ab, bis unser Entsorgungsfachbetrieb wieder Container stellt. Dann gehts im Januar frisch ans Werk – die Elektriker stellen dann einen Baustromkasten und auch die Zimmerer werden die Balkendecke abstützen, damit wir im Obergeschoss eine wilde Rigips-Schlacht starten und den Dachstuhl freilegen können.

27. November 2025

Erste Abstimmungen

Erste Abstimmungen

Anderthalb Monate ist es her, dass wir den Kaufvertrag unterschrieben haben, aber durch die Teilung des Grundstücks zieht sich der Abschluss des Kaufs in die Länge. Wir dämpfen unseren Tatendrang, direkt mit der Entkernung zu starten, und verfeinern dafür unsere Planung. Da wir mit der Entkernung noch etwas warten wollen, bis der Eigentumsübergang abgeschlossen und die Holzbalkendecke statisch abgesichert ist, planen wir einfach den Garten. Gartenplanung ist im Winter sowieso immer mein liebstes Hobby!

Nach wie vor ist die Sanierung für uns als Laien ein großes Fragezeichen. Wir haben Lust, wir haben Kraft, aber keine Erfahrung. Durch den Denkmalschutz des Hauses wird die Sanierung nicht einfacher – mehr Vorgaben, weniger Freiräume, mehr Bedarf zur Abstimmung. Wie wir es aus der IT gewohnt sind, beginnen wir das Projekt mit einem Kick-off, bringen die beteiligten Planer und die Denkmalpflege zusammen und gehen gemeinsam durchs Haus. Schnell merken wir, dass die Denkmalschutzbehörde ein großes Interesse daran hat, die noch übrig gebliebene Originalsubstanz genau zu untersuchen und zu dokumentieren. Viel wird davon nicht übrig bleiben können, denn durch unsachgerechte Umbauten in den letzten Jahrzehnten sind die als Fachwerk ausgeführten Innenwände stark angegriffen von Feuchtigkeit und Echtem Hausschwamm. Aber Ben plant bereits tatkräftig, wie wir den Zustand des Hauses bei der Übernahme auch für später erlebbar machen können. Lasst euch überraschen!

9. Oktober 2025

Wir kaufen ein Haus

Wir kaufen ein Haus

Lange haben wir nicht gedacht, dass es tatsächlich so weit kommt. 5 Monate ist es her, seit wir das Haus zum ersten Mal gesehen haben.

Und nun sind es nur noch wenige Tage bis zum Notartermin – alle notwendigen Fragen sind geklärt, die Finanzierungszusage der Bank liegt vor, der positive Bauvorbescheid ist da, und während das Licht weicher wird und die ersten Blätter fallen, fühlen wir Ungewissheit und unbändige Vorfreude gleichermaßen und können es immer noch nicht fassen, dass dieses Haus nun wirklich unser Haus wird.

30. August 2025

Stück für Stück

Stück für Stück

Die Wochen verstreichen und wenn wir eines brauchen mit diesem Haus, dann ist es Geduld. Die Flut der Unterlagen, die wir für eine Finanzierung zusammentragen müssen, scheint kein Ende zu nehmen, und oft haben wir das Gefühl, uns im Kreis zu drehen.

Aber es gibt auch Fortschritte – wir finden ein Planungsbüro, das sich auf die Sanierung historischer Bauten spezialisiert hat und eng mit den Ansprechpartnern der Denkmalpflege zusammenarbeitet. In guter Zusammenarbeit erstellen wir erste Grundriss-Ideen für die Bank und stellen eine formale Bauvoranfrage bei der Stadtplanung und Denkmalpflege, um die Nutzungsänderung von Gewerbe zu Wohnen zu klären. Auch für die energetische Sanierung finden wir einen kompetenten Partner, der uns kurzfristig alle notwendigen Berechnungen bereitstellt, um einen KfW-Kredit zu beantragen

Das Notariat bereitet zeitgleich den Kaufvertragsentwurf vor, während wir darauf warten, dass die Bank unsere Kreditanfrage endlich abschließend bearbeitet. Und während wir warten, bleibt genug Zeit, nahezu täglich von der Straße aufs Grundstück zu spähen, Hunderunden in der Seelhost zu verbringen, die Sonnenstrahlen im Laub der alten Bäume zu beobachten und von einem Alltag in diesen alten Wänden zu träumen.

12. August 2025

Das eigene Atmen

Das eigene Atmen

DAS EIGENE ATMEN steht um uns herum
an der Tür zum Garten. Wir betreten Regen,

öffnen sein Hemd, die Luft dahinter liegt
wie nackte Haut auf Zweigen. Es ist feucht und

nass, die Landschaft fädelt deine Stimme ein.
Tropfen wölben sich mit Himmel und mit See.

In jedem Wort dreht sich die Erde und du weißt nicht,
wie sie dich ansieht, unter dem Trittschall,

aus deinen Fußspuren heraus, gefüllt mit Konjunktiven
und mit Sand. Das Zentrum glitzert, das Einmaleins

geht uns voran. Ich wiederhole: Ein Mann
und eine Frau und eine Amsel sind eins.

Jürgen Nendza

2. Juli 2025

Die ersten Schritte

Die ersten Schritte

Nach der Euphorie der ersten Wochen hat uns die Realität eingeholt. Wir sind völlige Laien beim Thema Altbausanierung, haben keine Ahnung von Denkmalschutzvorgaben und baurechtlichen Vorgängen bei der Stadt. Dafür sind wir Profis im Recherchieren und der Projektplanung.

Schnell ist klar, dass das als Wohnbaugrundstück vermarktete Haus weit davon entfernt ist, ein solches zu sein. Baurechtlich steht das Haus im Außenbereich, was die Möglichkeiten zur Bebauung des Grundstücks auf nahezu Null reduziert. Zudem ist das Haus bisher nur zu gewerblichen Zwecken genutzt worden und die Stadt müsste eine Umnutzung als Wohnraum genehmigen – etwas, das im Außenbereich äußerst ungern gesehen ist.

Und doch geben wir nicht auf. Ich bringe in Erfahrung, wer beim Bauamt, der Stadtplanung und der Denkmalpflege zuständig ist, schreibe E-Mails, telefoniere. Und zu unserer Überraschung laden uns die Verantwortlichen zu einem Kennenlernen ein. Es ist ein sehr konstruktiver und sympathischer Termin, und wir gehen beschwingt nach Hause, weil die Stadt zum Erhalt der denkmalgeschützten Substanz einer Umnutzung zustimmen würde. Als wider Erwarten dann auch der Verkäufer unser gemindertes Kaufangebot annimmt, sind wir völlig baff. Kann der anfängliche Jux tatsächlich wahr werden?

22. Mai 2025

Wie alles beginnt

Wie alles beginnt

Es ist Mai. Ein schöner Mai; der Geruch von nasser Erde und frischem Grün hängt zwischen den Sonnenstrahlen, die Bäume haben ihre Blätter entfaltet und wachsen dem Himmel entgegen.

Ich pendle zwischen unserer Stadtwohnung und dem Schrebergarten hin und her. Dann ganz unverhofft stolpere ich über eine Anzeige für ein Haus. Es ist zunächst nur das Grundstück, das meine Aufmerksamkeit fängt: 10.000 qm Grundstück, mitten in der Stadt. Wie kann das sein?

Mehr als Jux gedacht, schicke ich die Anzeige an Ben. Einige Tage später fahren wir morgens daran vorbei und schauen uns das Haus von der Straße aus an. So beginnt unser Traum vom Haus mit Garten in der Stadt – wir rufen die Maklerin an, wir besichtigen das Haus, wir rechnen Kreditraten aus. Ganz unromantisch und doch wunderbar.

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